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ANBERNIC RG35XX H einrichten: microSD, Menüsprache und Tastenkombinationen im Faktencheck

エミュレーター

Ausgangslage: Was im Karton liegt und was die Datenblätter hergeben

Der ANBERNIC RG35XX H ist ein Handheld im Querformat mit Allwinner-H700-SoC, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz überwiegend über Amazon.de, eBay Kleinanzeigen und AliExpress den Weg zu den Käufern findet. Wer ihn auspackt, steht vor drei Fragen, die sich mit Meinungen schlecht und mit Spezifikationen gut beantworten lassen: Welche Speicherkarte gehört hinein, in welcher Sprache läuft die Oberfläche, und welche Tastenkombinationen gelten eigentlich?

Dieser Text beantwortet genau diese drei Fragen anhand von Herstellerangaben, offizieller Custom-Firmware-Dokumentation und den Definitionen der SD Association. Wo eine Angabe nicht belegbar war, steht das ausdrücklich dabei. Alle hier genannten Werte wurden am 18.08.2026 geprüft. Firmware-Stände und Sortimente ändern sich; prüfen Sie im Zweifel die Anzeige im Gerät selbst.

Hardware-Daten nach Herstellerangabe

Merkmal Angabe Praktische Bedeutung
SoC Allwinner H700, 4× ARM Cortex-A53 Systeme bis PlayStation 1 laufen zuverlässig; N64, Dreamcast und PSP nur teilweise
GPU Mali-G31 MP2 Keine Reserven für Shader-Ketten oder hohe interne Auflösungen
Arbeitsspeicher 1 GB LPDDR4 Begrenzt vor allem PSP- und Dreamcast-Titel
Display 3,5 Zoll IPS, 640 × 480 Pixel 4:3 entspricht exakt der Geometrie der meisten 8- und 16-Bit-Systeme
Akku Li-Polymer, 3300 mAh Herstellerangabe rund 8 Stunden, siehe Abschnitt zur Helligkeit
Laden USB-C, 5 V / 1,5 A Rechnerisch 7,5 W Eingangsleistung, kein Schnellladen
Speicher Zwei TF-Slots (TF1/TF2), laut Hersteller bis 512 GB je Karte Der Wert 512 GB ist die vom Hersteller genannte Obergrenze
Funk WLAN 2,4/5 GHz (a/b/g/n/ac), Bluetooth 4.2 Reicht für RetroAchievements und Bluetooth-Controller

Der Firmware-Stand ist der wichtigste Einzelfaktor

Die ab Werk installierte Anbernic-Firmware („Stock-Firmware“) für den RG35XX H wurde zuletzt in der Serie V1.1.x veröffentlicht; die von der Community gespiegelten Ausgaben tragen Datumsstempel aus dem Juni 2024. Anbernic pflegt eine eigene Download-Seite für Firmware-Abbilder, bietet dort aber keinen verlustfreien Update-Pfad an: Jede Aktualisierung bedeutet, ein vollständiges Abbild neu auf eine Karte zu schreiben.

Daraus folgt eine Konsequenz, die den ganzen Rest dieses Artikels strukturiert: Es gibt nicht „die“ Bedienung des RG35XX H. Es gibt die Stock-Firmware, und es gibt mehrere Custom Firmwares (CFW). Menüpfade, Sprachauswahl, Speicherorte und Tastenkombinationen unterscheiden sich zwischen diesen Systemen erheblich. Jede Anleitung, die Tastenkombinationen ohne Angabe des zugrunde liegenden Systems auflistet, ist unbrauchbar.

Erster Schritt: Die beiliegende Speicherkarte ersetzen — mit Begründung statt Bauchgefühl

Bei Anbernic-Geräten liegt in der Regel eine bereits bespielte Karte bei. Welche das ist, hängt von der Charge ab: Ältere Bundles enthielten eine markenlose schwarze Karte, neuere Chargen werden mit einer KIOXIA-Karte ausgeliefert. Bei der markenlosen Variante fehlen Herstellerlogo, Speedklassenangabe und eine Herstellergarantie, auf die sich ein Käufer in der EU sinnvoll berufen könnte. Genau das ist der sachliche Kritikpunkt — nicht ein pauschales „schlechte Qualität“. Prüfen Sie also zuerst, welche Karte tatsächlich im Gerät steckt.

Interessanterweise nennen die Entwickler der Custom Firmware muOS in ihrer offiziellen Installationsanleitung ausdrücklich eine Mindestanforderung: eine Qualitätskarte ab 16 GB, wobei Samsung und SanDisk namentlich empfohlen werden. Das ist keine Marketingaussage eines Händlers, sondern die Empfehlung derjenigen, die die Fehlerberichte auswerten.

Was die Symbole auf der Karte tatsächlich garantieren

Auf einer microSD-Karte stehen bis zu vier verschiedene Klassifizierungen. Sie messen unterschiedliche Dinge und sind nicht gegeneinander austauschbar:

Klasse Symbol Garantierter Mindestwert Relevanz für den RG35XX H
UHS Speed Class U1 / U3 10 bzw. 30 MB/s sequenzielles Schreiben Nur beim Befüllen der Karte am PC spürbar
Video Speed Class V10 / V30 10 bzw. 30 MB/s sequenzielles Schreiben Wie oben; V30 und U3 beschreiben denselben Mindestwert
Application Performance Class A1 A1 1500 IOPS lesend, 500 IOPS schreibend, 10 MB/s sequenziell Hoch: Menüaufbau, Savestates, viele kleine Dateien
Application Performance Class A2 A2 4000 IOPS lesend, 2000 IOPS schreibend, 10 MB/s sequenziell Auf dem Papier höher, in der Praxis oft ohne Vorteil

Der entscheidende Punkt für ein Emulations-Handheld ist die Application Performance Class, nicht die Video Speed Class. Ein Handheld schreibt selten große Videoströme; es liest und schreibt sehr viele kleine Blöcke — Konfigurationsdateien, Vorschaubilder, Speicherstände. Das ist genau die Last, die in IOPS gemessen wird.

Zur Einordnung von A2: Die höheren IOPS-Werte der A2-Klasse setzen voraus, dass der Host bestimmte Beschleunigungsmechanismen unterstützt. Ist das nicht der Fall, kann eine A2-Karte in der Praxis nicht schneller oder sogar langsamer arbeiten als eine gute A1-Karte. Für den RG35XX H ist deshalb A1 mit U3/V30 eine sachlich vollkommen ausreichende Zielvorgabe; ein Aufpreis für A2 lässt sich technisch nicht begründen.

Endurance-Karten und die Frage nach der Lebensdauer

Ein Handheld schreibt deutlich weniger als eine Dashcam oder eine Überwachungskamera. Die von Herstellern angegebene Schreiblast (oft als TBW oder in „Stunden Dauerbetrieb“ ausgewiesen) ist bei „High Endurance“-Karten mehrfach höher als bei Standardkarten. Für den typischen Betrieb — Bibliothek einmal aufspielen, danach fast nur noch lesen und gelegentlich Speicherstände schreiben — ist eine reguläre Markenkarte ausreichend. Wer die Karte dauerhaft als einziges Backup seiner Speicherstände nutzt, sollte sich für die Sicherungsstrategie statt für eine Endurance-Variante entscheiden.

Was im deutschsprachigen Raum sinnvoll erhältlich ist

Verfügbar und mit vollständiger Herstellergarantie im DACH-Handel sind vor allem SanDisk, Samsung und Lexar; KIOXIA ist ebenfalls regulär erhältlich. Achten Sie weniger auf die Marke als auf drei Dinge: die Kennzeichnung A1 (oder A2) auf der Karte, ein Impressum des Verkäufers innerhalb der EU und einen Preis, der nicht auffällig unter dem Marktniveau liegt. Gefälschte Karten mit manipulierter Kapazitätsangabe sind bei microSD ein reales und gut dokumentiertes Problem; die Kapazität lässt sich nach dem Kauf mit einem Schreib-Verifizierungstest überprüfen.

Preisangaben lassen wir bewusst weg: Sie schwanken im DACH-Handel innerhalb weniger Wochen so stark, dass eine im Artikel eingefrorene EUR-Zahl mehr schadet als nützt.

Größenwahl nach Verwendungszweck

Slot Empfohlene Kapazität Begründung
TF1 (System) 16–32 GB Anbernic stellt aktuell 16-GB-Abbilder bereit; größerer Speicher bleibt hier ungenutzt
TF2 (Daten) 128–256 GB Genug Reserve für 8- bis 32-Bit-Bibliotheken samt Vorschaubildern
Reservekarte 16–32 GB Für den Test einer Custom Firmware, ohne den Auslieferungszustand zu zerstören

Die vom Hersteller genannte Obergrenze von 512 GB je Slot ist eine Angabe, keine Empfehlung. Ab 256 GB steigt die Zeit für Dateisystemprüfungen und den Aufbau der Spielelisten spürbar, ohne dass die Bibliothek dadurch besser wird.

Zweiter Schritt: Dateisystem, Clustergröße und die richtigen Werkzeuge

Dieser Abschnitt entscheidet darüber, ob Daten überhaupt heil bleiben — und er ist derjenige, in dem in Anleitungen am häufigsten falsche Werkzeuge empfohlen werden.

FAT32 oder exFAT: die harten Grenzen

Eigenschaft FAT32 exFAT
Maximale Dateigröße 4 GiB minus 1 Byte praktisch unbegrenzt
Typische Clustergröße bei 128 GB 32 KB (Werkzeugabhängig bis 64 KB) 128 KB voreingestellt, einstellbar
Journal nein nein
Formatierung unter Windows über den Explorer oberhalb 32 GB nicht angeboten angeboten
Kompatibilität mit älteren Emulator-Frontends sehr hoch je nach System eingeschränkt

Die 4-GiB-Grenze von FAT32 ist der Punkt, an dem viele Nutzer stolpern: Ein unkomprimiertes Dreamcast- oder PSP-Abbild überschreitet sie regelmäßig. Wer bei FAT32 bleibt, muss solche Abbilder in ein komprimiertes Containerformat überführen; wer exFAT nutzt, umgeht das Problem, verliert aber Kompatibilität mit einzelnen Komponenten.

Ein weit verbreitetes Missverständnis gehört an dieser Stelle ausgeräumt: Die oft zitierte „32-GB-Grenze von FAT32“ ist keine Eigenschaft des Dateisystems, sondern eine Beschränkung der Formatierwerkzeuge von Windows. FAT32 selbst kann deutlich größere Datenträger verwalten; lediglich der Windows-Explorer und das dort hinterlegte Formatierprogramm bieten oberhalb von 32 GB kein FAT32 mehr an. Aus dieser Werkzeugbeschränkung eine vermeintliche Notwendigkeit für Drittanbieter-Formatierer abzuleiten, ist der häufigste Denkfehler in Anleitungen zu diesem Gerät — und der riskanteste, weil er Leser zu Werkzeugen führt, die kein Hersteller und kein Firmware-Projekt freigegeben hat.

Zur Clustergröße eine Zahl, die selten genannt wird: Bei 32 KB Clustergröße belegt jede Datei im Mittel etwa 16 KB ungenutzten Verschnitt. Bei 8000 kleinen Dateien — eine für 8-Bit-Bibliotheken mitsamt Vorschaubildern realistische Größenordnung — summiert sich das auf rund 125 MB. Auf einer 128-GB-Karte ist das irrelevant. Erwähnenswert ist es nur, weil es die verbreitete Empfehlung „Clustergröße möglichst klein wählen“ relativiert: Kleinere Cluster vergrößern die Zuordnungstabelle und verlangsamen das Einlesen der Verzeichnisse, ohne einen praktischen Vorteil zu bringen. Übernehmen Sie die Voreinstellung des jeweiligen Werkzeugs.

Welche Werkzeuge belegt geeignet sind — und welches nicht

Hier gibt es dokumentierte Herstellerangaben, an denen man sich festhalten kann:

  • Stock-Firmware, Systemabbild schreiben: Anbernic legt seinen Firmware-Downloads das Werkzeug Rufus bei. Wer die Stock-Firmware neu aufspielt, nutzt also genau das vom Hersteller mitgelieferte Programm.
  • muOS: Die offizielle Installationsanleitung nennt Raspberry Pi Imager als Werkzeug mit der höchsten Erfolgsquote und führt daneben USB Image Tool, Rufus, Win32 Disk Imager und USBImager auf. Ausdrücklich heißt es dort: „Balena Etcher is NOT recommended due to repeated issues with bad flashes.“ Wer also einer älteren Anleitung folgt, die Etcher empfiehlt, arbeitet gegen die Empfehlung des Projekts.
  • KNULLI: Die deutschsprachige Schnellstartanleitung des Projekts formuliert es unmissverständlich: „Du solltest nicht versuchen, irgendetwas nach der Installation manuell zu formatieren — KNULLI wird das für dich erledigen!“ KNULLI bringt einen eingebauten Formatierer mit, der die zweite Karte auf exFAT oder ext4 bringt.

Die praktische Regel daraus: Formatieren Sie nicht auf Verdacht. Für die Stock-Firmware werden auf der zweiten Karte sowohl FAT32 als auch exFAT unterstützt — das Gerät legt die Ordnerstruktur beim ersten Start selbst an, sofern das Dateisystem gültig ist. Damit erübrigt sich für Karten oberhalb von 32 GB jede Suche nach einem Sonderwerkzeug: exFAT ist genau das, was Windows und der offizielle Formatierer der SD Association bei diesen Kapazitäten ohnehin vergeben. Für KNULLI übernimmt die Firmware die Formatierung vollständig. Für muOS wird das Systemabbild geschrieben, nicht formatiert.

Was in diesem Artikel bewusst nicht steht: eine Empfehlung für einen Drittanbieter-Formatierer. Weder Anbernic noch muOS, KNULLI, ROCKNIX oder MinUI benennen ein solches Programm in ihrer Dokumentation. Wo kein Hersteller und kein Projekt eine Freigabe erteilt hat, gibt dieser Artikel keine — das Risiko trägt sonst der Datenbestand des Lesers.

Dritter Schritt: TF1 und TF2 sinnvoll aufteilen

Der RG35XX H hat zwei TF-Slots, die im Handbuch als TF1/INT und TF2 geführt werden. TF1 trägt das Betriebssystem — ohne eine bootfähige Karte in TF1 startet das Gerät nicht, was auch der Fehlersuche im Handbuch als erster Prüfpunkt dient.

Warum die Trennung technisch sinnvoll ist

Es geht nicht um Bequemlichkeit, sondern um Fehlerisolation. Ein Firmware-Update auf dem RG35XX H bedeutet, TF1 vollständig zu überschreiben. Liegen Spiele und Speicherstände auf TF2, überlebt der komplette Datenbestand jedes Update und jeden Systemwechsel. Zusätzlich lässt sich TF2 als eigenständiger Datenträger sichern.

Wo die Speicherstände in der Stock-Firmware liegen

Diese Pfade sollte kennen, wer Speicherstände sichern will. In der Stock-Firmware gilt (xxx steht für den Systemordner, etwa GBA oder SFC):

Art des Speicherstands Ablageort
Speicherstände eigenständiger Emulatoren /save/Roms/xxx
Speicherstände aus RetroArch /saves_RA/Roms/xxx
Savestates aus RetroArch /states_RA/Roms/xxx

Bei einer Zwei-Karten-Konfiguration liegen diese Ordner auf der zweiten Karte. Zur Ordnerbenennung selbst ist Vorsicht geboten: Die genauen Ordnernamen unterscheiden sich zwischen den Firmware-Generationen — in Umlauf sind unter anderem auch die Schreibweisen save_ra und savestate_ra. Sehen Sie die Namen daher auf der eingelegten Karte nach, statt sie aus einer Anleitung zu übernehmen. Ein weiterer Hinweis zur Ordnerbenennung: Der Systemordner für die 8-Bit-Nintendo-Plattform heißt in der Stock-Firmware FC. Gemeint ist damit dieselbe Hardwarefamilie, die in Europa als NES vertrieben wurde — die Ordnerbezeichnung folgt schlicht der japanischen Modellbezeichnung des Herstellers.

Ein Unterschied, den man kennen muss: KNULLI verhält sich anders

Wer von der Stock-Firmware auf KNULLI wechselt, muss ein Konzept umlernen. Das KNULLI-Wiki stellt in seiner deutschen Fassung klar: Es ist nicht möglich, SD 1 und SD 2 gleichzeitig als Speicherort für Spiele zu verwenden. KNULLI hängt einen einzigen Ordner /userdata ein — entweder auf die SHARE-Partition der ersten Karte oder auf die zweite Karte. Die Umschaltung erfolgt im Hauptmenü unter System settings im Abschnitt Storage und wird erst nach einem Neustart wirksam.

Das ist genau der Punkt, an dem Anleitungen für die Stock-Firmware in die Irre führen, wenn man sie unbesehen auf eine CFW überträgt. Die Aussage „beide Karten tragen zusammen die Bibliothek“ gilt für die Stock-Firmware, nicht für KNULLI.

Vierter Schritt: Die Menüsprache — warum es ab Werk kein Deutsch gibt

Das ist der Abschnitt, wegen dessen viele deutschsprachige Käufer suchen, und die Antwort ist unbequem, aber eindeutig.

Was die Stock-Firmware laut Herstellerangabe kann

Die Spezifikationstabelle im Handbuch des RG35XX H führt unter „Supported Languages“ genau fünf Sprachen auf: Japanisch, Spanisch, Englisch, Koreanisch und vereinfachtes Chinesisch. Deutsch ist nicht darunter. Ein Menüpunkt für die Sprachauswahl existiert im Settings-Menü der Stock-Firmware — er bietet nur eben kein Deutsch an.

Damit ist auch die kursierende Anleitung „Settings öffnen, Language wählen, die eigene Sprache aus der Liste nehmen“ für deutschsprachige Nutzer gegenstandslos. Der Menüpunkt ist da, das gewünschte Ziel steht nicht in der Liste. Sollte eine neuere Firmware-Generation das ändern, wäre das im Gerät sofort sichtbar; verlassen Sie sich auf die Liste im Gerät, nicht auf Fremdanleitungen.

Die realistischen Wege zu einer verständlichen Oberfläche

System Deutsche Oberfläche Aufwand Belegter Stand (18.08.2026)
Anbernic Stock-Firmware nein keiner Handbuch nennt fünf Sprachen ohne Deutsch
muOS (MustardOS) Sprachauswahl vorhanden Systemabbild auf TF1 schreiben Modul „Language“ unter Configuration; Übersetzungen sind Community-Arbeit über Weblate und lassen sich im Gerät mit der X-Taste bei bestehender Netzwerkverbindung aktualisieren
KNULLI (EmulationStation) Sprachauswahl in den System settings Systemabbild auf TF1 schreiben Gerät offiziell unterstützt; das Projekt-Wiki liegt selbst in deutscher Fassung vor
ROCKNIX (EmulationStation) Sprachauswahl in EmulationStation Systemabbild auf TF1 schreiben Gerät offiziell unterstützt, Frontend EmulationStation
MinUI bewusst minimalistisch, keine Sprachverwaltung gering Projektansatz ist die Reduktion auf ein Minimum an Optionen

Zwei ehrliche Einschränkungen dazu. Erstens: Bei muOS ist die Sprachauswahl vorhanden, der Übersetzungsgrad hängt aber vom Fortschritt der Community ab und schwankt zwischen Versionen. Der Stand einer einzelnen Sprache lässt sich zuverlässig nur im Weblate-Projekt oder direkt im Gerät ablesen, nicht aus einer Anleitung. Zweitens: Eine Sprachumstellung im Frontend betrifft ausdrücklich nur die Menütexte des Frontends. Die Menüs von RetroArch, PPSSPP und anderen Emulatoren sowie die Sprache der Spiele selbst bleiben davon unberührt — das schreibt die muOS-Dokumentation ausdrücklich so.

Der pragmatische Mittelweg

Für viele Nutzer ist die sachlich beste Entscheidung, die Oberfläche auf Englisch zu belassen. Die Begründung ist nicht Bequemlichkeit, sondern Nachvollziehbarkeit: Sämtliche Dokumentation, sämtliche Fehlermeldungen und praktisch jede Hilfestellung in den Foren beziehen sich auf die englischen Menübezeichnungen. Wer „Storage device“ auf dem Bildschirm liest, findet die passende Wiki-Seite in Sekunden; wer eine übersetzte Bezeichnung liest, muss zurückübersetzen. Die zu beherrschende Vokabelmenge ist überschaubar: Settings, Storage, Network, Language, Save State, Load State, Quit.

Fünfter Schritt: Zeitzone auf Europe/Berlin setzen

Für DACH ist die korrekte Angabe Europe/Berlin (Österreich: Europe/Vienna, Schweiz: Europe/Zurich — alle drei liegen in derselben Zone MEZ/MESZ, UTC+1 im Winter, UTC+2 im Sommer). Verwenden Sie nach Möglichkeit den Zonennamen und nicht einen festen Versatz wie „UTC+1“: Nur der Zonenname enthält die Regeln für die Sommerzeitumstellung.

Warum das mehr als Kosmetik ist: Savestates und Speicherstände werden mit einem Zeitstempel abgelegt. Ist die Uhr falsch, sortieren Verwaltungswerkzeuge falsch, und beim Vergleich zweier Speicherstände lässt sich nicht mehr entscheiden, welcher der neuere ist. Bei geräteübergreifender Synchronisation von Speicherständen kann eine falsche Uhr sogar dazu führen, dass ein älterer Stand einen neueren überschreibt.

In muOS liegt die Einstellung unter Configuration → General Settings → Date and Time mit einem eigenen Untermenü Timezone. In EmulationStation-basierten Systemen wie KNULLI und ROCKNIX findet sie sich unter System settings. In der Stock-Firmware liegt sie im Settings-Menü; die genaue Bezeichnung variiert mit der Firmware-Generation — hier gilt: im Gerät nachsehen statt einer Anleitung glauben.

Sechster Schritt: Helligkeit und Laufzeit — die Energierechnung

Die Herstellerangabe lautet 3300 mAh und rund 8 Stunden. Solche Angaben entstehen unter definierten, meist günstigen Bedingungen. Die drei Verbraucher, die man selbst steuern kann, sind Displayhelligkeit, WLAN und die Auslastung des SoC durch anspruchsvolle Emulatoren.

Stellschraube Empfehlung Begründung
Helligkeit 40–60 % in Innenräumen Die Hintergrundbeleuchtung ist bei einem 3,5-Zoll-IPS-Panel einer der größten Einzelverbraucher; ihre Leistungsaufnahme steigt annähernd linear mit der Helligkeit
WLAN aus, wenn nicht benötigt Wird nur für RetroAchievements, Netzwerkübertragung und Streaming gebraucht
Automatischer Ruhezustand etwa 5 Minuten Verhindert stundenlangen Betrieb bei versehentlich offenem Gerät
Ruhezustand statt Ausschalten nur für kurze Pausen Im Ruhezustand entlädt sich der Akku weiterhin, wenn auch langsam

Zur Ladezeit eine grobe Rechnung: Bei 5 V und 1,5 A stehen rechnerisch 7,5 W zur Verfügung. Abzüglich der Wandlungsverluste und der Ladeschlussphase liegt eine vollständige Ladung realistisch im Bereich von etwa drei Stunden. Ein stärkeres Netzteil beschleunigt das nicht, weil die Ladeelektronik im Gerät die Grenze setzt.

Tastenkombinationen: Warum es keine allgemeingültige Liste gibt

Dieser Abschnitt ist der wichtigste Faktencheck des ganzen Artikels, weil hier im Netz besonders viel Falsches kursiert.

Der RG35XX H hat keine Taste mit der Aufschrift „Menu“

Die Tastenübersicht im Handbuch des RG35XX H führt auf: D-Pad, SELECT, START, die Aktionstasten A/B/X/Y, zwei Analogsticks, die Lautstärkewippen, die Ein/Aus-Taste, eine RESET-Öffnung sowie an der Oberseite die Schultertasten und eine mit F beschriftete Funktionstaste. Eine Taste mit der Aufschrift „Menu“ gibt es auf diesem Gerät nicht. Das KNULLI-Wiki formuliert dieselbe Beobachtung von der anderen Seite her: Es bezeichnet dieselbe Taste als Function-Taste, weist ausdrücklich darauf hin, dass sie beim RG35XX H oben rechts sitzt und mit F gekennzeichnet ist, und ergänzt, dass sie umgangssprachlich auch „Menu-Taste“, „FN-Taste“ oder schlicht „Hotkey“ genannt wird. Anleitungen, die Kombinationen wie „Menu + X“ nennen, meinen also entweder genau diese F-Taste oder sie stammen ursprünglich von einem anderen Gerät beziehungsweise aus der Dokumentation einer bestimmten Custom Firmware. Für den Leser folgt daraus vor allem eines: Die Bezeichnung sagt nichts darüber aus, welches System die Belegung definiert.

Stock-Firmware

Belegt ist für die Stock-Firmware genau ein Punkt, und der reicht für den Alltag aus: Ein Druck auf die F-Taste allein öffnet im laufenden Spiel das Schnellmenü des Emulators — je nach Titel das RetroArch-Menü, bei eigenständigen Emulatoren deren eigenes Menü. Von dort aus lassen sich Savestate speichern, Savestate laden und das Spiel beenden auswählen. Im Hauptmenü öffnet dieselbe Taste die Systemeinstellungen. Ein kurzer Druck auf die Ein/Aus-Taste versetzt das Gerät in den Ruhezustand, ein langer Druck schaltet es aus.

Alle darüber hinausgehenden Tastenkombinationen geben wir für die Stock-Firmware bewusst nicht an. Im Netz kursieren mehrere, einander widersprechende Listen — mal wird R1/L1, mal R2/L2 als Speichern/Laden geführt —, und keine davon ließ sich auf eine Primärquelle des Herstellers für den aktuellen Firmware-Stand zurückführen. Da die Belegung sich zwischen den Firmware-Generationen ändert, gilt hier: Öffnen Sie das Schnellmenü mit der F-Taste und lesen Sie die Zuordnung dort ab, beziehungsweise sehen Sie im mitgelieferten Handbuch des Geräts nach. Das ist der einzige Weg, der zum tatsächlich installierten Stand passt.

KNULLI

KNULLI folgt einem einheitlichen Muster: Funktionstaste gedrückt halten und eine zweite Taste drücken. Belegt sind unter anderem: Function + Start beendet das Spiel und kehrt zu EmulationStation zurück; Function + Start für fünf Sekunden gehalten erzwingt einen Neustart von EmulationStation; Function + L1 erstellt einen Screenshot; Function + Lautstärke auf beziehungsweise ab regelt die Helligkeit. Für Emulator-Menü, Schnellspeichern, Schnellladen, Speicherplatzwechsel, Rücklauf und Vorlauf sind ebenfalls Kombinationen mit der Funktionstaste vorgesehen.

Statt diese Belegungen hier abzuschreiben, der belastbarere Weg: KNULLI bringt ein Handbuch im Gerät mit. Auf dem Startbildschirm öffnet Select das Quick-access-Menü, dort führt View user manual zu einer vollständigen, zur installierten Version passenden Liste. Diese Liste ist per Definition aktueller als jeder Artikel.

ROCKNIX

ROCKNIX dokumentiert seine Belegungen für den RG35XX H geräteweise. Für RetroArch-Kerne gilt dort:

Kombination Funktion
MENU + START Spiel beenden
MENU + R1 Savestate speichern
MENU + L1 Savestate laden
MENU + X RetroArch-Menü öffnen
MENU + B Spiel zurücksetzen
MENU + Y Bildrate einblenden
MENU + A Screenshot
MENU + R2 Vorlauf

Zwei Einordnungen dazu, die man mitlesen muss. Erstens: Mit „MENU“ ist die Funktionstaste gemeint — auf dem Gehäuse des RG35XX H ist sie mit F beschriftet. Zweitens: Diese Tabelle gilt für ROCKNIX und für RetroArch-Kerne. ROCKNIX dokumentiert für Mednafen, Mupen64Plus, PPSSPP, DuckStation und Hypseus jeweils abweichende Belegungen. Wer diese acht Zeilen als „die Tastenkombinationen des RG35XX H“ ausgibt, verwechselt eine Custom Firmware mit dem Auslieferungszustand — ein Fehler, der in vielen Anleitungen steckt. Drittens, und ebenso wichtig: Es handelt sich um Vorgabewerte. ROCKNIX erlaubt es, die Hotkey-Taste und einzelne Zuordnungen zu ändern, und die Vorgaben können sich zwischen Releases verschieben — auch diese Tabelle ersetzt also nicht den Blick in die Dokumentation zur eigenen Version.

Die belastbare Vorgehensweise

  1. Feststellen, welches System tatsächlich installiert ist: Stock-Firmware, muOS, KNULLI, ROCKNIX oder MinUI.
  2. Die Belegung dort nachschlagen, wo sie zum installierten System gehört — im Gerät (KNULLI: Select → Quick access → View user manual) oder in der Dokumentation des jeweiligen Projekts.
  3. Für RetroArch-Kerne lassen sich die Kombinationen im RetroArch-Menü unter der Eingabekonfiguration einsehen und teilweise ändern. Bei eigenständigen Emulatoren ist das oft nicht möglich, weil die Belegung im Quelltext festgelegt ist.

Sauber herunterfahren und Datenintegrität

Die Aussage „ein Abschalten über die Ein/Aus-Taste zerstört das Dateisystem“ ist in dieser Absolutheit nicht haltbar. Belegbar und ausreichend ist die schwächere, korrekte Formulierung: Ein Trennen der Stromversorgung während eines laufenden Schreibvorgangs kann Daten beschädigen, weil weder FAT32 noch exFAT ein Journal führen, mit dem sich ein unterbrochener Schreibvorgang zurückrollen ließe. Das Handbuch des RG35XX H empfiehlt daher ausdrücklich, TF-Karten vor dem physischen Entnehmen über das Systemmenü sicher auszuwerfen.

Daraus folgen drei Regeln, die technisch begründet und nicht dramatisiert sind:

  • Spiele über die vorgesehene Funktion beenden, damit der Emulator seine Puffer schreibt, bevor das System heruntergefahren wird.
  • Die Karte nie im laufenden Betrieb entnehmen. Erst herunterfahren, dann ziehen.
  • Speicherstände regelmäßig auf einen anderen Datenträger kopieren. Das ist die einzige Maßnahme, die auch einen Totalausfall der Karte abfängt — und Kartenausfälle sind kein hypothetisches Risiko.

Bezug im deutschsprachigen Raum

Der RG35XX H wird im DACH-Raum vor allem über Amazon.de, AliExpress und den Direktversand des Herstellers verkauft; gebrauchte Geräte laufen überwiegend über eBay Kleinanzeigen. Speicherkarten, Kartenleser und Mini-HDMI-Kabel finden sich bei Amazon.de sowie im klassischen Elektronikfachhandel.

Drei Punkte, die beim Import aus Nicht-EU-Ländern zu beachten sind: Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll kommen zum ausgewiesenen Preis hinzu; die Gewährleistungsabwicklung ist bei Direktimport in der Praxis aufwendig; und Netzteile ohne CE-Kennzeichnung gehören nicht in eine deutsche Steckdose — das Gerät selbst wird mit CE- und WEEE-Angabe geführt, ein separat beigelegtes Netzteil aber nicht automatisch.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland

Zwei Vorschriften sind für dieses Thema einschlägig. § 53 UrhG regelt die Vervielfältigung zum privaten Gebrauch. Diese Regelung setzt unter anderem voraus, dass keine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird. § 95a UrhG verbietet die Umgehung wirksamer technischer Schutzmaßnahmen — dieser Punkt ist unabhängig von § 53 zu betrachten und wird häufig übersehen.

Für die Praxis bedeutet das: Der Download von Spieldateien aus dem Internet aus offensichtlich rechtswidrigen Quellen ist nicht von der Privatkopie gedeckt. Wer eigene Spielmodule besitzt und deren Inhalt selbst ausliest, bewegt sich in einem anderen Sachverhalt — dessen Bewertung im Einzelfall von der konkreten Konstellation abhängt, insbesondere davon, ob dabei eine technische Schutzmaßnahme umgangen wird.

Dies ist keine Rechtsberatung. Die vorstehenden Ausführungen sind eine allgemeine, vereinfachte Einordnung und ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls. Für eine verbindliche Beurteilung wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Aus demselben Grund nennt dieser Artikel keine Bezugsquellen für Spieldateien oder BIOS-Dateien und verlinkt keine.

Checkliste für die ersten dreißig Minuten

  1. Gerät vollständig laden, bevor die erste längere Sitzung beginnt.
  2. Markenkarte mit Kennzeichnung A1 (oder A2) beschaffen: 16–32 GB für TF1, 128–256 GB für TF2.
  3. Die beiliegende Karte nicht überschreiben, sondern als Referenz des Auslieferungszustands beiseitelegen.
  4. Entscheiden: Stock-Firmware behalten oder eine Custom Firmware aufspielen. Beides ist eine legitime Wahl.
  5. Bei der Stock-Firmware: zweite Karte mit FAT32 oder exFAT formatiert einlegen, Gerät starten, Ordnerstruktur anlegen lassen. Kein Drittanbieter-Formatierer nötig.
  6. Bei einer Custom Firmware: das vom jeweiligen Projekt empfohlene Schreibwerkzeug verwenden — bei muOS ausdrücklich nicht Balena Etcher.
  7. Zeitzone auf Europe/Berlin setzen, Datum und Uhrzeit kontrollieren.
  8. Helligkeit auf 40–60 % stellen, automatischen Ruhezustand auf etwa fünf Minuten.
  9. Menüsprache prüfen: Deutsch steht in der Stock-Firmware laut Herstellerangabe nicht zur Verfügung; unter muOS, KNULLI und ROCKNIX existiert eine Sprachauswahl.
  10. Die Tastenkombinationen des tatsächlich installierten Systems nachschlagen — nicht die einer beliebigen Anleitung.
  11. Nach der ersten längeren Sitzung den Ordner mit den Speicherständen auf den Rechner sichern und diese Sicherung zur Gewohnheit machen.

Der RG35XX H ist ein günstiges Gerät mit einer klar begrenzten Leistungsfähigkeit und einer Firmware-Landschaft, die sich schneller bewegt als jede gedruckte Anleitung. Wer die drei Ebenen — Speicherkarte, Dateisystem, installiertes System — sauber auseinanderhält, hat den größten Teil der typischen Probleme bereits vermieden. Alles darüber hinaus ist Feinabstimmung.

Stand der Angaben: 18.08.2026. Firmware-Versionen, Sprachpakete und Sortimente ändern sich; prüfen Sie kritische Angaben im Zweifel direkt im Gerät und in der Dokumentation des jeweiligen Projekts nach.

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