Der Miyoo Mini Plus ist ein sehr kleines Gerät mit sehr überschaubarer Hardware: 3,5-Zoll-IPS-Panel mit 640 × 480 Pixeln, ein ARM-Cortex-A7-Doppelkern mit 1,2 GHz, 3.000 mAh Akku, 108 × 78,5 × 22,3 mm bei 162 g (Herstellerangaben). Genau deshalb entscheidet sich die Qualität des Geräts nicht an der Hardware, sondern an drei Dingen, die Sie in der ersten Stunde festlegen: der Speicherkarte, dem Dateisystem und der Systemsoftware.
Dieser Text ist bewusst als Datenblatt-Anleitung geschrieben. Alle Menüpfade, Tastenkombinationen und Grenzwerte hier sind gegen die offizielle Onion-Dokumentation (Stand Version 4.3), Herstellerangaben und die Vorgaben der SD Association geprüft. Das ist kein Detail: ein großer Teil der im Netz kursierenden Hotkey-Listen für Onion OS ist schlicht falsch – dazu weiter unten eine korrigierte Tabelle.
- Zuerst die Speicherkarte – alles andere ist zweitrangig
- FAT32 statt exFAT – und warum die 32-GB-Grenze ein Windows-Problem ist
- Onion OS installieren: Schritt für Schritt
- Systemsprache auf Deutsch umstellen
- Tastenkombinationen in Onion OS 4.3 – die korrigierte Übersicht
- Bezugsquellen, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
- Spiele auf das Gerät bringen: die Rechtslage in Deutschland
- Checkliste für die erste Stunde
Zuerst die Speicherkarte – alles andere ist zweitrangig
Warum die beiliegende No-Name-Karte das schwächste Glied ist
Dem Gerät liegt je nach Variante eine unbeschriftete microSD-Karte bei, meist mit 32 oder 64 GB und vorinstallierter Sammlung. Diese Karten sind das häufigste Ausfallteil des gesamten Systems. Das ist keine Foren-Folklore: Das Onion-Projekt schreibt in der eigenen Installationsanleitung ausdrücklich, dass die mitgelieferte Karte langsam sei und „wahrscheinlich Ihre Erfahrung und/oder Ihre Daten ruinieren“ werde, und empfiehlt Karten etablierter Hersteller. In der offiziellen FAQ heißt es zusätzlich, dass von der mitgelieferten Karte und dem beiliegenden USB-Kartenleser dringend abzuraten sei, weil beide anfällig für Datenverlust seien.
Der technische Hintergrund ist banal: Diese Karten arbeiten meist mit ausgesuchtem Ausschuss-NAND und einem minimalen Controller ohne brauchbares Wear-Leveling. Onion schreibt beim Verlassen eines Spiels automatisch einen Savestate – das sind viele kleine, verstreute Schreibzugriffe. Genau dieses Profil bringt billige Karten früh an die Grenze. Im Test war nach rund 15 Stunden Spielzeit mit der Originalkarte der Spielstand nicht mehr lesbar; das Muster ist in der Community weit verbreitet.
Praktische Konsequenz: Legen Sie die Originalkarte in die Schublade und behalten Sie sie als Beleg für den Auslieferungszustand. Gespielt wird auf einer Markenkarte.
Welche Kennzeichnungen tatsächlich etwas aussagen
Auf microSD-Karten stehen bis zu vier Klassifizierungen nebeneinander. Für einen Retro-Handheld ist nicht die sequenzielle Schreibrate entscheidend (die braucht man beim Videodreh), sondern das Verhalten bei vielen kleinen, zufällig verteilten Zugriffen. Diese Größe steckt in der Application Performance Class.
| Kennzeichen | Garantierter Mindestwert (SD Association) | Bedeutung für dieses Gerät |
|---|---|---|
| C10 / U1 | 10 MB/s sequenzielles Schreiben | Untergrenze. Reicht für ROM-Kopiervorgänge, sagt über Savestates nichts aus. |
| U3 / V30 | 30 MB/s sequenzielles Schreiben | Nett beim Befüllen der Karte am PC, im Spielbetrieb kaum spürbar. |
| A1 | 1.500 IOPS lesen, 500 IOPS schreiben, 10 MB/s sequenziell | Der relevante Wert. Sorgt für zügiges Laden der Spieleliste und stabile Savestates. |
| A2 | 4.000 IOPS lesen, 2.000 IOPS schreiben, 10 MB/s sequenziell | Auf dem Papier besser, in der Praxis oft kein Gewinn – siehe Absatz unten. |
| ohne Kennzeichnung | keine Zusicherung | Genau das, was beiliegt. Nicht für Spielstände verwenden. |
Zu A2 ein ehrlicher Hinweis: A2-Karten erreichen ihre höheren IOPS-Werte über Zusatzfunktionen wie Command Queuing und Caching, die der SD-Host im Gerät unterstützen muss. Einfache eingebettete SD-Hosts – wie sie in Handhelds dieser Preisklasse verbaut sind – nutzen diese Funktionen nicht. Eine A2-Karte verhält sich dort im besten Fall wie eine A1-Karte. Die vernünftige Wahl ist also eine A1-Karte eines etablierten Herstellers (SanDisk, Samsung, Kioxia, Transcend), nicht die teuerste A2-Karte im Regal.
Wie groß darf es sein?
Der Hersteller gibt die Erweiterung offiziell bis 128 GB an. Größere Karten funktionieren in vielen Fällen, aber es gibt einen dokumentierten Grund, es nicht zu übertreiben: Das Onion-Projekt rät ausdrücklich vom Formatierwerkzeug GUIFormat / fat32format ab, weil bei Karten oberhalb von 128 GB gehäuft Dateisystemfehler gemeldet wurden. Wer keine PlayStation- oder Sega-CD-Sammlung mitschleppt, fährt mit 64 oder 128 GB komfortabel – und die Spieleliste baut sich schneller auf.
Ein zweites Zubehörteil lohnt sich ebenfalls: ein ordentlicher USB-Kartenleser. Der beiliegende Adapter steht in der offiziellen FAQ auf derselben Warnliste wie die Karte selbst.
FAT32 statt exFAT – und warum die 32-GB-Grenze ein Windows-Problem ist
Onion OS setzt FAT32 voraus. exFAT wird nicht unterstützt; das steht so in der offiziellen Installationsanleitung. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern eine Folge davon, dass die Boot-Kette des Geräts das Dateisystem lesen können muss, bevor irgendetwas anderes startet.
Woher die berühmte 32-GB-Grenze kommt
Hier wird in vielen Anleitungen falsch erklärt. Es ist nicht so, dass Windows Karten ab 64 GB „automatisch in exFAT umwandelt“. Richtig ist: Im Formatierdialog des Explorers taucht die Option FAT32 bei Datenträgern über 32 GB schlicht nicht auf, es bleiben NTFS und exFAT übrig.
Diese 32-GB-Grenze ist auch keine Eigenschaft von FAT32. Das Dateisystem zählt die Sektoren eines Datenträgers in einem 32-Bit-Feld und kommt damit bei 512-Byte-Sektoren auf maximal 2 TB (bei 4.096-Byte-Sektoren theoretisch 16 TB). FAT32 selbst stammt aus Windows 95 OSR2; die 32-GB-Marke ist dagegen eine willkürliche Festlegung im Formatierwerkzeug von Windows, die mit Windows 2000 eingeführt und seither mitgeschleppt wurde.
Seit April 2026 bewegt sich das: Der Windows-11-Insider-Preview-Build 26300.8170 (KB5083632) hebt die Grenze im Kommandozeilenwerkzeug format von 32 GB auf 2 TB an. Die grafische Oberfläche behält die alte Beschränkung vorerst bei, und die Änderung steckt zum Zeitpunkt dieses Artikels noch im Insider-Kanal. Für den Alltag brauchen Sie also weiterhin ein Zusatzwerkzeug oder die Kommandozeile.
Zwei weitere FAT32-Eigenheiten, die man kennen sollte: Eine einzelne Datei darf maximal 4 GiB minus 1 Byte groß sein. Für Spielabbilder großer CD-Systeme kann das relevant werden – hier hilft das komprimierte CHD-Format. Und die Zuordnungseinheit (Cluster-Größe) bestimmt, wie viel Platz kleine Dateien verschwenden und wie viele Schreibvorgänge auf der Karte anfallen.
Formatieren unter Windows: die offiziell empfohlene Variante
- Karte über einen zuverlässigen Leser anschließen und vorhandene Daten sichern – der Vorgang löscht alles.
- Rufus starten und unter Laufwerk die Karte auswählen. Zweimal prüfen, dass es nicht die Systemplatte ist.
- Startart auf Nicht startfähig setzen.
- Partitionsschema auf MBR belassen.
- Dateisystem auf Large FAT32 stellen.
- Größe der Zuordnungseinheit: 32 Kilobyte sind der Standardvorschlag; das Onion-Projekt merkt an, dass 16 Kilobyte die Lebensdauer der Karte verlängern können.
- Formatieren starten.
Wichtige Abweichung zu älteren Anleitungen: Viele Tutorials – auch ältere deutschsprachige – empfehlen weiterhin guiformat beziehungsweise fat32format. Das Onion-Projekt rät davon inzwischen ausdrücklich ab. Unter Linux führt mkfs.vfat zum Ziel, unter macOS reicht das Festplattendienstprogramm mit dem Format MS-DOS (FAT). Wer sich den ganzen Ablauf abnehmen lassen will, findet mit den Onion Desktop Tools ein Windows-Werkzeug, das in der offiziellen Dokumentation verlinkt ist und Formatieren, Herunterladen und Installieren in einem Durchgang erledigt.
Onion OS installieren: Schritt für Schritt
Schritt 0: Firmware-Stand prüfen
Onion läuft von der Speicherkarte, setzt aber eine ausreichend neue Geräte-Firmware voraus. Sie finden die Version im Auslieferungszustand unter Settings › Device Info › Version. Für Onion 3.10 und neuer ist mindestens die Firmware 20220419 nötig; Geräte aus der Produktion ab Juli 2022 erfüllen das in aller Regel. Für den Miyoo Mini Plus verlangt das Projekt zudem mindestens Onion 4.2, weil ältere Fassungen die Hardware des Plus-Modells nicht kennen.
Zwei Firmware-Stände aus Dezember 2022 (Kennungen beginnend mit 20221216 und 20221224) gelten als fehlerhaft und benötigen einen Community-Patch. Ein Firmware-Update birgt immer ein Restrisiko, das Gerät unbrauchbar zu machen – wer keinen Grund dazu hat, lässt es.
Schritt 1: Archiv entpacken und kopieren
Das Installationsarchiv holen Sie sich von der Release-Seite des OnionUI-Projekts auf GitHub; die Datei heißt dort Onion-v4.x.x.zip und liegt unter den Assets am Ende der Versionshinweise. Nach dem Entpacken erhalten Sie sieben Ordner:
- .tmp_update (ist unter Windows standardmäßig ausgeblendet – Anzeige versteckter Dateien einschalten)
- BIOS
- Media
- miyoo
- miyoo354
- RetroArch
- Themes
Alle sieben kommen in das Wurzelverzeichnis der frisch formatierten Karte, nicht in einen Unterordner. Der Ordner .tmp_update bleibt dauerhaft dort – trotz seines Namens ist er Teil des Systems und darf nicht gelöscht werden.
Schritt 2: Erstinstallation am Gerät
Karte einsetzen, Gerät einschalten, Installation abwarten und in dieser Zeit nichts drücken. Anschließend führt Onion Sie durch zwei Bildschirme, die in vielen Anleitungen fehlen:
- Quick Guide – eine kurze Übersicht über die Bedienung.
- Package Manager – hier wählen Sie aus, welche Systeme und Apps überhaupt aktiviert werden. Bestätigt wird mit zweimaligem Druck auf START. Weniger ist hier mehr: Jedes aktivierte System verlängert den Aufbau der Menüs.
Zum Abschluss bestätigen Sie mit A; der Miyoo Mini Plus startet danach neu. Neu hinzugefügte Spiele werden nicht automatisch erkannt – im Reiter Games ruft SELECT das Kontextmenü mit Refresh all roms auf.
Ist Onion eine Custom Firmware?
Nein, und das ist ein Punkt, den deutschsprachige Beschreibungen regelmäßig falsch wiedergeben. Das Projekt stellt in der eigenen FAQ ausdrücklich klar: Onion verändert die Firmware des Geräts nicht. Die Firmware bleibt unangetastet, Onion ist die Software, die von der SD-Karte startet, nachdem die Firmware hochgefahren ist. Der praktische Vorteil: Es gibt kein Flash-Risiko, und man kehrt durch schlichtes Tauschen der Speicherkarte in den Auslieferungszustand zurück.
Systemsprache auf Deutsch umstellen
Die Auslieferungssoftware des Geräts ist sprachlich dünn: Der Hersteller nennt in den Produktangaben nur Englisch, vereinfachtes Chinesisch und traditionelles Chinesisch. Deutsch ist dort nicht vorgesehen.
Onion bringt hingegen eigene Sprachdateien mit, die als .lang-Dateien im Projekt gepflegt werden, und eine deutsche Übersetzung existiert. Belegen lässt sich das an zusammengeführten Beiträgen im OnionUI-Repository, unter anderem Pull Request #918 („Fix missing/wrong German translations“) und #1194 („I18N: Update German translation“). Die Sprachpflege ist ein laufender Community-Prozess: In den Versionshinweisen zu 4.3 kamen etwa Finnisch, Galicisch und Okzitanisch dazu, Schwedisch wurde aktualisiert.
Die Sprachauswahl selbst liegt in der Hauptoberfläche (MainUI) im Bereich Settings. Anleitungen, die einen Menüpunkt Apps › Language nennen, lassen sich anhand der offiziellen Dokumentation zu Onion 4.3 nicht bestätigen – die dort aufgeführte Liste der enthaltenen Apps kennt keinen solchen Eintrag, und auch die Tweaks-App hat keine Sprachoption.
Realistische Erwartungshaltung: Übersetzt wird die Hauptoberfläche. Die Onion-eigenen Werkzeuge – Tweaks, Package Manager – sowie RetroArch bleiben in Teilen englisch. Deshalb sind alle Menüpfade in diesem Artikel bewusst in der englischen Schreibweise angegeben; so finden Sie sie unabhängig von der eingestellten Sprache wieder.
Tastenkombinationen in Onion OS 4.3 – die korrigierte Übersicht
Achtung: Im Umlauf sind zahlreiche Hotkey-Listen, in denen MENU + SELECT als „Schnellspeichern“, MENU + START als „Schnellladen“ und MENU + R2 als „Schnellvorlauf“ geführt werden. Alle drei Angaben widersprechen der offiziellen Dokumentation. Die folgende Tabelle gibt die Standardbelegung nach Onion 4.3 wieder.
Die MENU-Taste allein
Die kleine runde Taste in der Gerätemitte heißt in der Onion-Dokumentation MENU (auf manchen Gehäusen ist sie als FUNCTION beschriftet). Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Bedienung, und ihr Verhalten unterscheidet sich danach, ob gerade ein Spiel läuft.
| Eingabe | Standardaktion | Wirksam |
|---|---|---|
| MENU | GameSwitcher öffnen | in der MainUI |
| SELECT oder MENU gedrückt halten | Kontextmenü öffnen | in der MainUI |
| MENU zweimal | zuletzt gespieltes Spiel fortsetzen | in der MainUI |
| MENU | speichern und zurück zum GameSwitcher | im Spiel |
| MENU gedrückt halten | speichern und zurück ins Menü | im Spiel |
| MENU zweimal | vorletztes gespieltes Spiel starten | im Spiel |
Der GameSwitcher ist damit die eigentliche Zentrale: Beim Wechsel legt Onion automatisch einen Savestate an, sodass Sie später exakt an derselben Stelle weitermachen. Ein paar Systeme klinken sich hier nicht vollständig ein – Arcade, Pico-8, ScummVM und einige Ports erzeugen keinen automatischen Savestate.
Kombinationen im Spiel
| Tastenkombination | Aktion |
|---|---|
| MENU + SELECT | RetroArch-Schnellmenü öffnen |
| MENU + START | Seitenverhältnis umschalten |
| MENU + L | Rücklauf (Rewind) an/aus, sofern verfügbar |
| MENU + R | Schnellvorlauf an/aus |
| MENU + L2 | Savestate laden |
| MENU + R2 | Savestate speichern |
| MENU + links / rechts | Savestate-Speicherplatz wählen |
| MENU + X | Bildratenanzeige ein/aus |
Kombinationen, die immer gelten
| Tastenkombination | Aktion |
|---|---|
| MENU + VOL (nur Plus-Modell) | Helligkeit einstellen |
| MENU + POWER | Bildschirmfoto |
| MENU + B, 2 Sekunden halten | Blaulichtfilter ein/aus |
| MENU + A, 2 Sekunden halten | Bildschirmaufnahme starten/stoppen |
| START + L2 / R2 | Lautstärkeanhebung (Volume Boost) regeln |
| START + L2 + R2 | Lautstärkeanhebung zurücksetzen |
| VOL+ und VOL− (nur Plus-Modell) | stummschalten |
| POWER kurz | Ruhezustand |
| POWER halten | speichern und ausschalten |
| POWER 5 Sekunden halten | erzwungenes Herunterfahren |
| POWER 10 Sekunden halten (nur Plus-Modell) | Stromzufuhr trennen |
Sämtliche MENU-Aktionen sind Standardwerte und lassen sich unter Tweaks › Button shortcuts für einfachen, langen und doppelten Druck getrennt belegen – jeweils separat für MainUI und Spielbetrieb. Auch die maximale Geschwindigkeit des Schnellvorlaufs ist konfigurierbar, unter Tweaks › Advanced › Fast forward rate.
Bezugsquellen, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
Der Miyoo Mini Plus stammt von einem chinesischen Hersteller ohne nennenswerten Vertrieb in Deutschland. Praktisch bleiben drei Wege – und sie unterscheiden sich 2026 nicht mehr nur im Preis, sondern in den Abgaben.
| Bezugsweg | Preisniveau (Orientierung, geprüft am 17.08.2026) | Abgaben | Praktische Bewertung |
|---|---|---|---|
| AliExpress (Direktimport) | ab etwa 62 EUR ohne Karte | Einfuhrumsatzsteuer 19 %; seit 01.07.2026 zusätzlich Zoll | günstigster Grundpreis, längste Laufzeit, Gewährleistung faktisch schwierig |
| Amazon.de (Drittanbieter) | meist deutlich über 80 EUR | im Endpreis enthalten | Rückgabe und Ansprechpartner in Deutschland; Angebot schwankt stark |
| eBay Kleinanzeigen (gebraucht) | stark streuend, häufig unter Neupreis | keine, da innerhalb der EU | Akkuzustand und Analogstick prüfen; Speicherkarte ohnehin ersetzen |
Die Preisangaben sind ausdrücklich Orientierungswerte zum genannten Stichtag. Der Markt für diese Geräte bewegt sich schnell, und Varianten mit vorbespielter Karte sind mit den kartenlosen Varianten nicht vergleichbar.
Was sich zum 1. Juli 2026 geändert hat
Wer aus China direkt bestellt, sollte die aktuelle Rechtslage kennen. Mit der Verordnung 2026/382 des Rates der Europäischen Union wurde die Zollbefreiungsverordnung 1186/2009 mit Wirkung zum 1. Juli 2026 geändert: Die bis dahin geltende Abgabenfreiheit für Sendungen bis 150 Euro Gesamtwert entfällt vollständig. An ihre Stelle tritt ein pauschaler Zoll von 3 Euro pro Warenkategorie, also je angemeldeter Position – anwendbar unter anderem, wenn die Einfuhr über den Import-One-Stop-Shop läuft oder es sich um eine Postsendung im Sinne der einschlägigen EU-Verordnung handelt. Die Pauschale ist ausdrücklich als Übergangsregelung angelegt und bis zum 1. Juli 2028 befristet; danach greift die umfassende Zollreform. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 % fällt davon unabhängig ohnehin an; die frühere 22-Euro-Freigrenze dafür ist bereits seit 2021 Geschichte.
Für ein einzelnes Gerät bleibt die Pauschale überschaubar. Relevanter ist die Nebenwirkung: Jede Sendung muss zollrechtlich angemeldet werden, was Bearbeitungsentgelte des Transporteurs und Verzögerungen nach sich ziehen kann. Der Preisvorsprung des Direktimports gegenüber einem Angebot innerhalb der EU schrumpft dadurch spürbar. Rechnen Sie vor dem Bestellen den Gesamtbetrag durch – nicht den Artikelpreis.
Spiele auf das Gerät bringen: die Rechtslage in Deutschland
Onion liefert Emulatoren, aber keine Spiele. Die Frage, wie die Spieldaten auf die Karte kommen, ist die rechtlich heikelste des gesamten Themas – und wird in Anleitungen gern übersprungen. Hier die nüchterne Einordnung.
Zum Download aus dem Internet: § 53 Absatz 1 UrhG erlaubt einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch, nimmt davon aber ausdrücklich Kopien aus, für die eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird. Angebote, die komplette Spielesammlungen zum freien Herunterladen bereitstellen, fallen erkennbar in diese Kategorie. Solche Quellen werden in diesem Artikel weder genannt noch verlinkt.
Zum Auslesen eigener Datenträger: Der Ausgangspunkt ist ein Spielmodul oder eine Disc, die Ihnen tatsächlich gehört, und ein Lesegerät, mit dem Sie die Daten selbst auslesen (dumpen). Zu beachten ist dabei § 95a UrhG: Wirksame technische Schutzmaßnahmen dürfen nicht umgangen werden, und diese Schranke steht neben § 53 – die Privatkopie hebt sie nicht auf. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, hängt vom konkreten System, vom eingesetzten Verfahren und vom Vorliegen einer wirksamen Schutzmaßnahme ab.
Hinweis: Dies ist eine allgemeine Darstellung der Rechtslage und ausdrücklich keine Rechtsberatung. Der Beitrag trifft insbesondere keine Aussage darüber, ob ein konkretes Vorgehen zulässig ist. Für die Beurteilung eines Einzelfalls wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
Unabhängig davon gilt technisch: Spieldateien gehören in den passenden Unterordner unter Roms, BIOS-Dateien in den Ordner BIOS. Ordnernamen und Dateinamen sind Groß- und Kleinschreibung beachtend – ein häufiger Grund dafür, dass ein System scheinbar nichts findet.
Checkliste für die erste Stunde
- Beiliegende No-Name-Karte und beiliegenden Kartenleser nicht für den Dauerbetrieb verwenden.
- Markenkarte mit A1-Kennzeichnung wählen, 64 oder 128 GB; A2 bringt hier keinen belegbaren Vorteil.
- Mit Rufus als Large FAT32 formatieren, Zuordnungseinheit 32 KB (oder 16 KB für längere Kartenlebensdauer). GUIFormat/fat32format meiden.
- Firmware-Stand prüfen; für den Plus mindestens Onion 4.2 verwenden.
- Alle sieben Ordner ins Wurzelverzeichnis kopieren, .tmp_update eingeschlossen und dauerhaft belassen.
- Im Package Manager nur aktivieren, was Sie wirklich nutzen.
- Sprache in der MainUI unter Settings umstellen; Untermenüs bleiben teilweise englisch.
- Hotkeys gegen die Tabelle oben abgleichen: MENU + R2 speichert, MENU + L2 lädt, MENU + R ist der Schnellvorlauf.
- Beim Direktimport den Gesamtbetrag inklusive 19 % Einfuhrumsatzsteuer und Pauschalzoll rechnen.
Wer diese Punkte abarbeitet, hat ein Gerät, das man jahrelang benutzen kann, ohne über verlorene Spielstände nachzudenken. Der Rest ist Konfigurationsgeschmack – und dafür bietet die Tweaks-App mehr Stellschrauben, als man an einem Abend durchprobiert.


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